Italienischer Polizist schiesst auf Sprayer
von Berny
Bei einer Verkehrskontrolle in der norditalienischen Stadt Como wurde dem 19-jährigen Sprayer Raigama Achrige Rumesh Ku, Sohn von Migranten aus Sri Lanka, von einem italienischen Stadtpolizisten einer Anti-Grafitti- Einheit in Zivil eine Kugel in den Kopf geschossen. Der junge Sprayer saß ohne Führerschein am Steuer des Wagens seines Onkels (er besaß jedoch den "Foglio Rosa" eine Art vorläufige, bedingte Fahrerlaubnis, der die praktische Übung im Strassenverkehr erlaubt, solange sich eine Person am Beifahrersitz befindet, die seit mindestens zwei Jahren einen Führerschein besitzt), als er und 4-5 Freunde (der Jüngste von ihnen war erst 15 ), die sich ebenfalls in jenem Auto befanden von der Polizei angehalten wurden. Von den folgenden Ereignissen existieren mehre Versionen. Eine Version ist, dass der Polizist, der den Schuss auf Rumesh abgab, ihn an seiner Kaputze packte, seine Waffe an Rumeshs Nacken hielt und ihn zum Straßenrand schubste, als der Schuss losging. Sowohl die meisten Medien als auch die Verteidiger des Schützen plädieren jedoch auf die Variante eines Unfalls durch Ausrutschen.
Eine andere jedoch behauptet, dass die jungen Sprayer sich mit erhobenen Händen an eine Mauer am Straßenrand stellen mussten. Der Polizist, der hinter Rumesh stand soll dann gesagt haben "Schau mal was ich hier hab für dich". Als er sich dann umdrehen wollte, soll der Schuss losgegangen sein. Die Polizisten haben jedoch ausgesagt, dass Rumesh weggelaufen ist und der Schuss ihn bei der Flucht getroffen hat. Was bei der Fluchtversion aber fraglich erscheint ist, warum man auf den Kopf eines Flüchtigen schießen muss, der höchstens mit einer Spraydose bewaffnet war. Nachdem der Schuss losging, soll laut einem Interview mit einem der anwesenden Freunde Rumeshs, das in der „Liberazione“ veröffentlicht wurde, der Polizist sich die Hände vors Gesicht gehalten und gesagt haben "Oh mein Gott, ich habe meinen Job verloren, ich habe alles verloren" anstatt sich um den Zustand seines Opfers zu sorgen. Rumeshs Freunde haben sich sofort auf den Schützen gestürzt und ihn angeschrien "Du Mörder! Du Schwein! Was hast du getan, du Bastard!". Die drei Polizisten wurden sofort von einer zufällig anwesenden Zivilstreife der Carabinieri festgenommen, ihre Dienstwaffen beschlagnahmt und eine Ambulanz verständigt. Der junge Sprayer befindet sich seit dem im Koma. Seit der Tat wurden mehrere Demonstrationen abgehalten, die von bis zu 2000 TeilnehmerInnen besucht wurden. Sie trugen Transparente mit Slogans wie "Ich bin jung, erschießt mich" oder "Writing tötet". Auf dem Flugblatt mit dem Demoaufruf stand der Slogan "Die Wände sind sauber, die Straßen aber blutverschmiert". Der Polizeipräsident von Como hat sich nun nach drei Tagen des Schweigens über diesen Fall am Samstag der Presse gegenüber geäußert, dass diese Aktion gegen alle Regeln verstoßen hat und somit verboten war. Die Anti-Graffiti-Einheit wurde mittlerweile vom Bürgermeister der Stadt Como suspendiert. Von vielen wird jedoch der Rücktritt des Bürgermeisters gefordert, sowie Einsicht in das von einer Verkehrsüberwachungskamera aufgezeichnete Video des Tatortes. Großes Misstrauen erweckt auch die einschlägige Vergangenheit des Leiters der vor kurzem gegründeten Anti-Graffiti-Einheit, der vor Jahren in eine andere Schießerei verwickelt war. Diese Einheit, die schon für viele Festnahmen und Hausdurchsuchungen verantwortlich ist, ist für ihr rucksichtsloses Vorgehen gegen Jugendliche bekannt. Manche ihrer Aktionen wurden sogar schon von mehreren Staatsanwälten per Anordnung unterbunden.
Diese Tat stellt jedoch nur einen der grausamen Höhepunkte italienischer Polizeigewallt dar, die mit ihrer null-Toleranz Politik immer gewalttätiger gegen „aufsässige“ Jugendliche vorgehen.