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Wer nach der Niederlage des ‚Dicken’ bei der letzten Bundestagswahl
darauf hoffte, dass jetzt Verbesserungen oder zumindest keine weiteren
Verschlechterungen zu erwarten seien, darf sich mehr als
enttäuscht zeigen. Es kam nämlich oftmals noch viel dicker.
Die Schulen wurden finanziell ausgehungert, die Universitäten
führten zunehmend Studiengebühren ein, die
Ausbildungssituation hat sich weiter verschlechtert, die Altersvorsorge
wird künftig von den Marktverhältnissen bestimmt, das
Militär darf wieder international seine Kriegstauglichkeit
beweisen und jetzt soll auch noch das Gesundheitssystem ausgehebelt
werden und anstatt der Arbeitslosigkeit werden nun die Arbeitslosen
angegriffen. Allein diese kurze Bilanz zeigt die Dringlichkeit einer
machtvollen Mobilisierung gegen die dafür verantwortliche Politik.
Für den 14. September rufen fünf Jugendorganisationen von
Gewerkschaften, Organisationen der Erwerbslosen und Friedensbewegung,
attac und viele andere Gruppen mit der Kampagne ‚Her mit dem
schönen Leben’ auf zu Massendemonstrationen, zahlreichen Aktionen,
Kundgebungen und Konzerten in Köln.
Diese Kampagne setzt sich allgemein ein für soziale Gerechtigkeit,
Demokratie und Frieden, für eine Globalisierung von unten und eine
solidarische Weltwirtschaft, eine konsequente Umverteilungspolitik des
gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten, für
qualifizierte Arbeitsplätze und gegen Lohndumping sowie für
eine solidarische Gesundheitspolitik. Sie ist gegen die neoliberale
Wirtschaftspolitik und Demontage des Sozialstaates, gegen
Flexibilisierungen, Deregulierungen und weitere Privatisierungen, gegen
den Abbau demokratischer Rechte und innere und äußere
Aufrüstung sowie gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt.
Für den Ausbildungsbereich wird beispielsweise speziell eine
bessere Finanzierung, die bessere Ausstattung der Berufsschulen, eine
Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, die Rücknahme der
Verschlechterungen bei der Anerkennung der Berufsschulzeiten und die
sofortige Einführung der Umlagefinanzierung zur Schaffung
betrieblicher Ausbildungsplätze gefordert.
Auch wenn diese Forderungen oft zu vage oder unzureichend sind,
verdienen sie alle unsere volle Unterstützung. Aber wenn wir sie
nicht nur vortragen, sondern auch durchsetzen wollen, müssen wir
uns auch fragen, wer sie wie durchsetzen kann. Hier hilft es uns kaum
weiter, wenn wir erklären, dass Gesundheit, Bildung, etc. keine
Waren seien. Da sind die angedeuteten Ideen zu einer Vermögens-,
Wertschöpfungs- und Spekulationssteuer schon zielführender.
Das bedeutet aber auch einen Angriff gegen die Interessen des Kapitals.
Und wer anderer kann einen solchen Angriff führen und gewinnen als
die organisierte Arbeiterbewegung. Nur eine solche Bewegung ist
letztlich imstande, die sozialen Errungenschaften zu sichern, die
demokratischen Rechte zu verteidigen und einen Kriegseinsatz zu
verhindern. Nur sie kann dem Kapital die erforderlichen Ressourcen
abringen.
Aber genau vor dieser entscheidenden Überlegung hält die
Kampagne an – aus Angst vor parteipolitischer Vereinnahmung und einen
Verlust des politischen Terrains gegenüber der Parteipolitik. Als
Begründung wird angegeben, dass sich alle etablierten Parteien der
neoliberalen Marktlogik unterworfen haben und darum keine Aussage zum
Wahlverhalten gemacht wird. Vielmehr soll eine andere Politik durch
einen starken Druck von unten durchgesetzt werden. Eine nicht
näher beschriebene gesellschaftliche Bewegung in einer irgendwie
in oben und unten unterschiedenen Welt soll die Politik verändern.
Die Adressaten der Kampagne sind dann schlichtweg ‚die Menschen im
Land’, bzw. letztlich ‚die Gesetzgeber’.
Wo also die politische Problemstellung beginnt, wird die Kampagne
diffus und ungreifbar. Wenn die Arbeiterbewegung die einzig
mögliche Kraft zur Durchsetzung ihrer Forderungen ist, dann kann
es uns doch nicht gleichgültig sein, ob Arbeiterparteien oder
offen bürgerliche Parteien in der Regierung sitzen. Dass konkret
die SPD und die PDS als Arbeiterparteien auch eine zutiefst
bürgerliche Politik betreiben kann doch nicht bedeuten, dass sie
für uns einerlei sind wie die CDU/CSU, die FDP und die
Grünen.
Wenn eine offen bürgerliche Partei eine durchwegs bürgerliche
Politik praktiziert, dann ist das kaum verwunderlich, aber wenn eine
Arbeiterpartei die Interessen des Kapitals bedient, stellt das einen
Widerspruch dar, den wir nicht einfach ignorieren können. Hier
kommt es darauf an, unsere Hebel anzusetzen.
Wir haben dabei keinerlei Illusionen darin, dass die SPD oder die PDS
ihre Politik grundlegend ändern werden oder der Parlamentarismus
insgesamt sich für grundlegende gesellschaftliche
Veränderungen eignet. Für uns ist vor allem die an sie
gebundene Basis wesentlich, die Millionen ArbeiterInnen, die nach wie
vor Illusionen in diese Parteien haben und sie wählen. Sie gilt es
zu gewinnen für die Formierung einer Arbeiterbewegung, die in der
Lage ist, die Angriffe des Kapitals abzuwehren und ihre Forderungen
durchzusetzen. Das erreichen wir nicht dadurch, dass wir das
Wahlverhalten zur Privatsache erklären, der wir keinen besonderen
Wert beimessen. Wir werden hier nur Gehör finden, wenn wir sie
unterstützen und ihnen zurufen: ‚Eure Arbeiterparteien werden eure
Hoffnungen nicht erfüllen, sie werden die Interessen der Bosse
gegen euch durchsetzen. Ihr mögt uns heute nicht glauben. Gut. Wir
unterstützen euch und werden mit euch versuchen, eure Parteien an
die Macht zu bringen. Lasst uns gemeinsam an die Parteiführungen
konkrete Forderungen dafür stellen. Organisiert aber mit uns von
Beginn an den Kampf darum, denn sie werden nicht erfüllt werden.’
Nur auf diese Weise kann es uns gelingen, an dem Widerspruch innerhalb
dieser bürgerlichen Arbeiterparteien anzusetzen, die Illusionen in
sie überwindbar zu machen und damit auch eine Perspektive zur
Durchsetzung unserer Forderungen zu eröffnen.
Es wird sich dabei herausstellen, dass selbst unsere unmittelbarsten
Forderungen rasch an die Grenzen des kapitalistischen Systems
stoßen, dass also die einzige Möglichkeit zu ihrer
Einlösung in einer revolutionären Perspektive liegen. Und
dafür ist eine revolutionäre Organisation erforderlich.
Für diese Ausrichtung stehen wir – die internationale
Jugendorganisation REVOLUTION.
Entsprechend unserer internationalistischen Ausrichtung konzentrieren
wir uns nicht nur auf den deutschen Wahlkampf, sondern beziehen in
unsere Mobilisierung auch weitere politische Ereignisse bewusst mit
ein.
Vom 26. August bis 4. September tagt die UN-Konferenz ‚Rio plus 10’ in
Johannesburg. Die Bilanz der hier seit 10 Jahren in internationalem
Maßstab behandelten Themen könnte kaum schlechter sein. Wie
sollen beispielsweise auch Umweltinteressen global umgesetzt werden,
wenn sie den Geschäftsinteressen der Konzerne nicht entgegenstehen
dürfen. Die Kosten für dieses Versagen brachen jetzt
buchstäblich flutartig über uns herein. Wenn wir nicht selbst
für eine umweltverträgliche Wirtschaftsform aufstehen, wird
es bei solchen Konferenzen kaum zu mehr als zu besorgten Gesichtern und
Willensbekundungen ohne die erforderlichen Konsequenzen kommen.
Zeitnah dazu jährt sich zum ersten mal auch der 11. September, der
dazu genutzt werden wird, weltweit die Rechtfertigung für die
militärische Beherrschung der Welt durch die USA zu legitimieren.
Vom anstehenden G7-Gipfel in den USA dürfen wir den dafür
erforderlichen Hintergrund erwarten.
Lasst uns in Köln gemeinsam gegen die kapitalistischen Angriffe
demonstrieren. Kommt zum REVOLUTION-Block in der Demonstration.
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